Yes, I can!

Hier war es still im den letzten Monaten. Ich was viel draußen, den Sommer genießen, in einem der Berliner Seen schwimmen oder mit dem Fahrrad durch die Gegend düsen habe tonnenweise Bücher gelesen und wenn ich doch vor dem Bildschirm hing, hatte ich das Projekt, alle 7 Staffeln Gilmore Girls zu schauen, um für die neue Staffel gewappnet zu sein🙂 Das habe ich jetzt geschafft, das Wetter ist nicht mehr so toll und ich habe ein neues internetfähiges Endgerät, es wird also Zeit, den Blog wiederzubeleben…

Und das möchte ich mit einem Erfolgserlebnis tun: Diesen Sommer war ich vor eine große Herausforderung gestellt, ich sollte ein Zeltlager mit mehr als 2000 Teilnehmenden aus der ganzen Welt leiten. Das war mein Job. Ich hatte früher schon ehrenamtlich Zeltlager gemacht, aber die waren nie so groß und es war vor meiner MS-Diagnose. Wochen-, ja monatelang habe ich mich mit der Frage beschäftigt, wie ich das wohl hinkriege, ohne mich völlig zu verausgaben, über meine Belastungsgrenze hinauszugehen, einen Schub zu riskieren. Ich habe darüber nachgedacht, wie ich den Anspruch, den andere (und ich) an mich stellen würden, nämlich 24/7 im Einsatz zu sein, zu jeder Tageszeit Probleme zu lösen und nur zu schlafen, wenn Zeit dafür ist, mit meinem Bedürfnis nach Erholung und Zeit für mich zusammenzubringen. Immerhin sprachen wir über fast drei Wochen.

Zu Beginn der Überlegungen, wie ich das schaffen soll, habe ich vor allem geblockt und mir gesagt: das schaffe ich nicht, das kann ich nicht, ich will diesen Ansprüchen nicht gerecht werden, denn ich will nicht krank werden. Ich habe mich mit meinem Arbeitgeber gestritten und war auf Krawall gebürstet. Aber auch das war ganz schön anstrengend. Nach ein paar Gesprächen mit klugen Menschen habe ich die Strategie geändert und offen mit meinen Chef*innen über meine Situation und die möglichen Konsequenzen einer Überlastung gesprochen. Sie waren sehr viel verständnisvoller als ich befürchtete. Wir haben uns auf eine kürzere Präsenzzeit geeinigt, als sie ursprünglich wollten (eben knapp 3 Wochen statt 4) und Instrumente, wie ich zwischendurch Ruhephasen bekommen kann. Das hat mich etwas erleichtert, aber ich habe der Sache trotzdem nicht ganz über den Weg getraut, denn im Eifer des Gefechts ist es häufig doch schwerer, diese Ruhepausen zu nehmen, wenn alle anderen am Rotieren sind…

Aber ich kann euch sagen: es hat funktioniert! Natürlich hab es Tage, an denen ich 16 Stunden gearbeitet habe und noch Nachts im Problemlösemodus war. Und natürlich habe ich es nicht geschafft, das Zeltlager mal für einen Tag zu verlassen. Aber ich habe ziemlich regelmäßig Mittagspause gemacht, war an den meisten Tagen irgendwann zwischen 20 und 22 Uhr mit meiner Arbeit fertig und vor allem – darauf bin ich besonders stolz – habe ich NEIN gesagt, habe ich Dinge nicht getan, weil sie mir zu viel waren, habe ich mitgeteilt, wenn ich nicht mehr konnte und eine Pause brauchte. Und ich bin nach der vereinbarten Zeit gefahren, obwohl es noch viel zu tun gab. Für andere.

Die zwei Wochen nach dem Zeltlager habe ich mich überwiegend zwischen Bett und Sofa hin- und herbewegt, ich hatte 3 Tage eine Erkältung und ein sehr hohes Schlafbedürfnis. Ich hatte kaum Lust, Freund*innen zu treffen und Runden mit mehr als 5 Leuten waren mir zu viel. Aber das ist ok und ich finde das auch normal nach knapp 3 Wochen Trubel mit fast keinem Raum nur für mich. Und ich gehe gestärkt aus dieser Erfahrung heraus, denn ich weiß, dass ich es kann. Ich kann Stresssituationen aushalten, sie so gestalten, dass sie mich nicht umhauen. Ich kann mich abgrenzen und nicht jedes Problem persönlich nehmen. Ich kann meine Bedürfnisse formulieren und sie einfordern. Und das fühlt sich verdammt gut an!

Endlich Sommer!

War es bei euch auch so heiß letzte Woche? Donnerstag bis Sonnabend waren es hier über 30 Grad – Donnerstag saßen wir noch bis nachts im T-Shirt am Kanal, am Freitag konnte ich glücklicher Weise schon früh Feierabend machen und hatte einen langen Nachmittag und Abend mit einer Freundin am See baden und chillen. Samstag war ich dann auf dem Wochenmarkt und habe die Sommersaison auch kulinarisch eröffnet (und den Frühling beendet).

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„Sie haben alles richtig gemacht“

Da ich bei meiner bisherigen Neurologin immer mit einem komischen Gefühl rausging, weil ich mich dafür rechtfertigen musste, dass ich keine Medikamente nehmen möchte, habe ich mich entschieden, mich ein bisschen umzuschauen, ob ich nicht jemanden finde, der oder die mich eher bestärkt als verunsichert – oder ob ich mich am Ende doch überzeugen lasse, dass trotz sechs Jahren ohne Schub Medikamente einfach vernünftig wären. Und voilà! Gleich der erste Versuch war ein Treffer! Weiterlesen „„Sie haben alles richtig gemacht““

Behindert?!

Vor ein paar Monaten hat mir die Beratungsstelle der DMSG geraten, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen (im Beamtendeutsch heißt das irgendwie komplizierter…). Von selbst wäre ich überhaupt nicht auf die Idee gekommen, denn ich habe ja eigentlich keine Einschränkungen, außer dass ich manchmal unbeschreiblich müde und manchmal unglaublich traurig bin und mit meinem Schicksal hadere – aber behindert?

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